gustav

 
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features & reviews / print / VERLASS DIE STADT

 
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boomcat_2008 You may recall Gustav's debut album for the Mosz label (Rettet Die Wale) which made a bit of an impact a couple of years back. Since then, Eva Jantschitsch has rethought her sound, coming back with an album that's even more ambitious than her first outing. The Austrian musician and producer has found a home on Chicks On Speed, but operates in a far more sophisticated manner than the majority of electro-pranksters who show up on that most notorious of femme-tronica imprints. In addition to the expected digital bombardment, Gustav comes out with some thoughtful instrumentation and songwriting. While attempts have been made to brand her an Austrian version of Bjork, that tag really doesn't fit, but the two artists certainly share a thirst for the experimental, and Jantschitsch isn't one to restrict herself to narrow bands of thought. Consequently, it's incredibly hard to know how to attempt any sort of classification of this record - for example, the genre-defying: 'Soldat_In Oder Veteran' sounds ever so slightly like Marilyn Manson's 'The Beautiful People' once it kicks in, but then, taking an entirely different angle 'Alles Renkt Sich Wieder Ein' employs a magnificently elegiac sounding brass section, while yet further on, 'At The River's Edge' (sung in English) takes on board some jazzy strings, redolent of the mysterious, kooky romance you'd hear from Alice/Blood Money-era Tom Waits. While Rettet Die Wale was an amusing, occasionally outstanding record, Verlass Die Stadt is a considerably more mature work, and it's one that's been thoughtfully constructed too, all expertly produced by Jantschitsch herself. This is all very commendable, and is a real triumph for Chicks On Speed, who've done themselves a great service by releasing something a tad more serious and substantial than their more customary output.
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Hans Plesch für ZORES auf Radio Z Was machte Eva Jantschitsch eigentlich so in letzter Zeit? – Theatermusik zum Beispiel oder auch ein queeres Projekt mit Sissy Boyz und SV Damenkraft namens Orlanding the Dominant frei nach Virginia Woolf. Und - endlich! - die zweite Veröffentlichung.
We shall overcome war einmal. Jetzt folgen Abgesang, Abbitte, das Abschwören, Auto da fe, das Einstimmen in den Chor - der Vögel (Hör ich da Aristophanes - oder Wilhelm Busch?).
Und alles falsche Fährten, gelegt aus dem Weg aus der Stadt. Und vorher nochmal TV gesehen, Unvorhersehbares erhofft und imaginiert. Nix da: Unterhalten ist nach wie vor überwiegend Zerstreuen ist Zersetzen jedweden kritischen Potentials, gerne weitergeführt im Popbusiness unter Einvermarktung so gut wie aller erarbeiteten Differenzen. Soweit viele Worte um ein nichtsdestotrotz differenziertes, wortspielverliebtes, Kritik verhandelndes Album: Verlass die Stadt von Eva Jantschitsch, aka Gustav. Ich gebe zu, ich habe es herbeigewünscht und jetzt bin ich sehr erfreut. Musikalisch hat sich die Bandbreite übrigens um Einiges erweitert - ob das am Vergnügen Gustavs liegt, bei Chicks on Speed Labelmate von Kevin Blechdom zu sein?
Die Phrasendreschmaschine läuft in den Medien unüberhör- und -lesbar 24 Stunden auf Hochtouren und bei jeder Umdrehung kann mensch wissen: Es geht um Mehr für Wenige und Abbau für die Vielen, um Vereinzelung von möglichen Kollektiven, um Rechts- und Mitwirkungsverluste, die von den publizistischen Agenten des Kapitals als folgerichtig und notwendig geschminkt werden. Mit Popsongs ist dem nur am Rand beizukommen, aber die Kontextualisierung im Rahmen von sing- und tanzbarer Musik verhindert
möglicherweise die immanente Narkotisierung durch Einbettung der Forderungen in wirtschaftspolitischen Verlautbarungsjargon. In Songs wie Total Quality Woman und Soldat_in oder Veteran geraten die Worthülsen ins Tanzen und entblössen dabei ihren unzumutbaren Kern. Die Texte stehen zumeist am Anfang von Gustavs Songs, speisen sich aus umfangreicher Lektüre und offenen Ohren, sicher unsystematisch, aber reflektiert.Und es sind keine holzgeschnitzten Agitpropstücke geworden, sondern Songs mit Flow, musikalisch auch im minimalen opulente Lieder, voller Uneindeutigkeiten und überraschenden Bildern. Überhaupt die Musik: Gustav verkleidet ihre Texte auch in swingende Bigbandsounds oder untermalt den Weltuntergang mit einer Blaskapelle (Trachtenkapelle Dürnstein). Und sie spielt und hantiert ausser mit Worten mit: Synthies und Orgel, Geige, Akkordon, Flöten & Tröten, Ukulele, E-Bow...gelegentlich assistiert von Oliver Stotz (git), Elise Mory (p) u. Manfred Hofer (b).
Es zahlt sich manchmal doch aus, von den Eltern mit mehr oder weniger sanftem Zwang zum Instrumentalunterricht (hier: Geige) angehalten worden zu sein. Ach ja. Bei allem glanzvollen, lustvoll abwechslungsreich instrumentierten Sound des Albums bleibt ein Ton von - natürlich - Unbehagen, Desaster und Verzweiflung. Der Lack ist dünn und schneller ab, als es lieb sein kann. "Das Leben ist kein Wunschkonzert". Aber es gibt mentale Abhilfe in Form der unheimlichen Hymne "Alles renkt sich wieder ein / Irgendwann geht es vorbei".
Und ist nicht so gemeint. Ausser vielleicht in Wien. Dem Rest der Welt bietet Gustav mit Verlass die Stadt einen abwechslungsreichen Blick in Triften und Abgründe und auf Lebensumstände vor allem des kapitalistischen Westens. Und es kommt so packend und griffig daher, das auch beim zerstreuten Zuhören sich Textzeilen ins Gehirn fräsen müssten und Gedanken Funken schlagen. Und dann? Sich des Funktionierenmüssens gewahr werden? Der festgeschriebenen Geschlechterverhältnisse? Damit könnte mensch ja anfangen. Und die Musik spielt dazu, ohne abzulenken, sondern als Kraftquelle. Wie die Gustavs eben oder anderer intelligenter Popmusik.
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intro 2008 Nicht für Omar, nicht für Sushi
26.05.2008, Berlin, Festsaal Kreuzberg
Der Blumenstrauß hat gefehlt. Und vielleicht noch ein purpurroter Samtvorhang, der am Ende mit weichem Schwung die Wunderwelt der Bühne verschließt und das Publikum in den Alltag entlässt, verzaubert, belehrt, geläutert. Abgesehen davon wurde bei Gustavs Konzert im Festsaal Kreuzberg alles geboten, was einen Theaterabend perfekt macht. Eine strahlende und umjubelte Hauptdarstellerin am Mikrofon, zwei StatistInnen hinter Keyboards und an der Gitarre, der höfische Knicks, wohlwollende Gesten in Richtung des Ensembles, eine dramaturgisch durchdachte Aufführung. All das war da. Genauso wie die Nachdenklichkeit, das Lachen, die großen Themen Tod und Leben.Gustavs Musik stellt eine Frage: Wo soll man sich noch einrichten, wenn überall Unbehagen ist? In der Stadt genauso wie im Wald vor lauter Bäumen, im Anforderungsdschungel der Arbeits- und Dating- und Disziplinierungswelt. Gustav selbst hat ihre Antwort gefunden, auch wenn sie sie nur im Modus des Zweifels, der Widersprüche und mit hinter Charme versteckter Ironie erzählen mag und nicht etwa hinausposaunt. Sie richtet sich ein in der Verneinung, in der Gegenbewegung, in der Geste. Da darf es nicht wundern, wenn ihr Konzert als perfekt choreografierte Inszenierung auf die Bühne kommt.

Als Overtüre schickt Gustav eine Warnung in den Festsaal: 'Das Leben ist kein Wunschkonzert', der heutige Abend schon gar nicht, ich spiel nicht für euch, ich bin nicht eure Stimme, was erwartet ihr denn? Dieser Modus der Negation lässt für eine Konzertsituation Großartiges erwarten. Doch Gustav setzt vom ersten Ton und von ihrem ersten Blick an alles daran, diese Warnung wiederum zu negieren. Die zärtliche Bestimmtheit, mit der sie "nicht für Omar, nicht für Sushi, nicht für Elisa" singt, meint genau das Gegenteil. Dem dritten Song schon stellt sie eine Widmung "für" jemanden aus dem Publikum voran. Dass ein bisschen in der stickigen, erhitzten Luft des Festsaals hängen bleibt, ob auch das Strategie ist oder bloß Nonchalance, macht gerade die Gustavmagie aus. Wie leise sie Widersprüche doch hinauszuflüstern vermag. Etwa wenn sie einen "knallharten Protestsong" ankündigt und ihn dann ausgerechnet in zarter Folkloretracht in den Saal schleichen lässt. Sogar das Megafon, bewährtes Rotzrebelleninstrument, das sie kurz vor dem Einsatz jedes Mal demonstrativ, warnend in die Höhe streckt, benutzt sie (im Titelsong ihres neuen Albums 'Verlass die Stadt') wie für eine Liebeserklärung. Sie haucht, flüstert, schmachtet. Und sie beweist so mit jedem neuen Lied, wie gemütlich, ja wie Kleinkunst-heimelig man es sich in der Verweigerung einrichten kann. Am schrecklichsten und zugleich am angenehmsten ist dieses Gefühl, an dem außen rum immer auch eine etwas schleimige Schicht Ekel dran ist, in der Ballade 'Alles renkt sich wieder ein' aufgehoben: "Der Schmerz tut weh, und es wird besser."


Die Antwort, die Gustav auf die Frage nach dem Unbehagen gibt, lässt sich nicht in einen einfachen Lehrsatz packen. Um wirklich zu verstehen, was sie auf der Bühne doch so vorbildlich artikuliert, muss man nicht nur genau zuhören, sondern auch noch selbst nachdenken. Es passt, dass Gustav bei all ihrem Charisma stets auch ein bisschen Lehrerinnencharme ausstrahlt. Sie inszeniert ihre Songs mit ausgestrecktem Zeigefinger. Der zeigt auf Pointen, auf wunde Stellen, auf dich und mich oder auch ins Nirgendwo. Das Publikum verharrt im Staunmodus. Bestuhlung wäre ideal gewesen, denn die meisten, brüchig gebauten Songs halten ein Mitwippen sowieso nicht aus. In den szenischen Pausen gibt es dafür frenetischen Jubel. Damit holt man Gustav auch nach den Zugaben noch einmal ans Mikrofon. Sie spielt nichts mehr, bedankt sich bloß. Und dasselbe machen die Menschen im Publikum, die sich freuen, dass auf der Bühne so schön gespielt wurde - nicht für sie.

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schorndorfer nachrichten / mai 2008 Liedermacherei mit dem Laptop
Von unserem Mitarbeiter Michael RiedigerSchorndorf. Eine Frau, die sich Gustav nennt, die als Retterin des feministischen Protestsongs gilt (gab’s den überhaupt vorher?), die von der österreichischen Musikindustrie den Amadeus Award und für ihr zweites Album „Verlass die Stadt“ durchweg euphorische Kritiken bekam - lauter gute Gründe für einen guten Besuch des Konzertes in der Manufaktur.
Andererseits: Gibt’s etwas Unspektakuläreres als eine „Laptop-Liedermacherin“? Als solche wurde die Wienerin Eva Jantschitsch alias Gustav apostrophiert, und eine solche will sich beim Manu-Konzert in Schorndorf dann doch nur wieder der bekannt kleine, aber feine Kreis von Popspezialisten angucken.
Dabei liegt in der Vorstellung einer Liedermacherei am Laptop auch ein Versprechen: der Verknappung und Fokussierung auf das Nötigste, wegen des Vorsprungs durch Technik, der uns die üblichen sentimentalen Schnörkel einer herkömmlichen Instrumentierung erspart. Bei möglichst erhalten gebliebener Komplexität, versteht sich.
Dass Gustav mit Band antritt, fördert allenfalls die Intensität ihrer Darbietung. Dass Keyboarderin Elise Mory den Grundstein für eine funktionierende, faszinierende Live-Elektronik legt, dass der Bassist und Gitarrist Oliver Storz mit seinen E-Saiten immer einen Tick hinterherjagt. Und dass auf der Bühne eine Interaktion und Kommunikation untereinander stattfindet. Alles dem dichten Klangbild förderlich, zu dem Gustav, die Medienkünstlerin, ihre Songideen strukturiert.
Aber im Mittelpunkt steht doch das Konzept von Klang, Ideen, Texten. Die Aussage, wenn man so will. Nicht die musikalische Ausarbeitung. Diese ist stilistisch sehr unterschiedlich, springt von Genre zu Genre, bisweilen höchst originell, etwa wenn das Trio in einem Stück mit Akkordeon, Melodica und Ukulele sich im (analogen) Folk- oder Chanson-Idiom zu platzieren scheint. Oder wenn es einen Song der Crossover-Rocker Rage Against The Machine runterfährt auf eine Art Chill-Out-Version, mit Betonung von Melodie und Refrain. Oder wenn Gustav in Roboter-Bewegungen mit Breakdance-Anflug zu maschinenhaft klappernden Kraftwerk-Beats dem Rhythmus huldigt, eine Verkörperung seiner ureigensten Choreografie und sozusagen anti-intellektuell. Was dann freilich von den Texten wieder berichtigt wird, die auf Englisch oder Deutsch, in Slogans oder Schüttelreimen und manchmal sogar per Megafon urbane Befindlichkeiten ansprechen und, natürlich, Geschlechterrollen.
„Ziemlich heiß, der Computer“
„Ziemlich heiß, der Computer“, sagt Gustav einmal, nach einem besonders langen Stück, das ihren Sprechgesang mit immer dichter werdenden Elektro-Beats und immer stärker hämmernden Akkorden unterlegt.
An anderer Stelle singt sie geradezu jubilierend, mit warmer, „schöner“ Stimme „she’s the cultural ingenieur“, das Stück heißt „Total Quality Woman“, die emanzipierte Protagonistin schwingt leicht mit den Hüften, die Bewegungen werden zunehmend puppenhaft, die Sounds geradezu putzig, bis sie zunehmend in „Chaos light“ ausfransen. Da gibt’s Schwelgend-Schunkelndes oder abgehackt Artifizielles - und dann diese Texte!
Ganz zu Anfang, in „Happy Birthday“ vom neuen Album, hält Gustav das Textblatt in der Hand und verliest Zeilen wie „Das Leben ist kein Wunschkonzert, oh nein“, worauf ein endloses Namedropping folgt, eine minutenlange Liste von Vornamen. Ganz schön mutig, ein abwechslungsreiches, sehr farbiges Programm derart monoton zu eröffnen.
Aber die Frau mit dem männlichen Künstlernamen weiß sich durchzusetzen - und das über alle Rollen und Erwartungen hinweg.
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Mannheimer Morgenpost juli 2008 Gustav opponiert mit ihrer Band brillant im Karlstorbahnhof - das Ergebnis: nichts weniger als eines der besten Konzerte der Popsaison. Profil: Protestsaengerin, qualifiziert und rauchend

Es sei gleich davor gewarnt, dass die folgenden Zeilen regulaeren Gutmenschen und Rauchverbotsfreunden vielleicht ein wenig an den Nerven kratzen koennten. Aber wie dem auch sei, hier geht es um nichts weniger als eines der besten Konzerte, die wir in diesem Jahr zu sehen bekamen. Gustav und Band spielten im Heidelberger Karlstorbahnhof und haben dabei unser Herz gewonnen.
Gustav, das ist die Wiener Kuenstlerin und Musikerin Eva Jantschitsch, die mit ihrem zweiten Album "Verlass die Stadt" gerade dazu angesetzt hat, die Welt jetzt wirklich mal ein ordentliches Stueck zu verruecken. Die Preistraegerin des Amadeus Austrian Music Awards macht es gleich zu Konzertbeginn klar: "Wir sind qualifiziert. Ja, da lachen sie meine Lieben, aber wir wissen es." Zusammen mit Elise Mory am Keyboard und Oliver Stotz an der Gitarre rast die oesterreichische Songheroine mit ihrem Laptop-Soundpaket durch musikalische Stile und Sparten, dass es einem schwindlig wird. Und man manch anderen elektronischen Gesangsaspiranten der letzten Jahre verschaemt von seiner Playlist streichen moechte.
Sauber positioniert sich Gustav mit intelligenten Texten abseits von unreflektierter Globalisierungskritik und platter Konsumabsage ohne dabei das Protestzepter aus der Hand zu geben. Songs wie "Total Quality Woman" oder die knarzig bretternde TV-Analyse "Neulich im Kanal" spielen mit zeitgenoessischen Rollenmodellen und sind musikalische Patchwork-Schmankerl, die einem ordentlich durch die Knochen fahren.
In kraftvollen 70 Minuten spielt sich Gustav durch das neue Album, covert bewegend "Sleep now in the fire" von Rage against the Machine und zur entspannten Zugabe mit Feierabendzigarette auf der Buehne. Den "Nichtraucher"-Hinweis des Saalwaechters kontert Gustav mit einem charmanten "Ja, so etwas sagt der Intendant, aber in meinem Berufsprofil steht Protestsaenger" und setzt sich dann mit der Ballade "Alles renkt sich wieder ein" herzzerreissend fuer die Erfuellung unser aller Gluecks ein. Ein gefluestertes "Spiesser" kann sie sich nicht verkneifen, tritt mit der letzten Zugabe noch beinahe liebevoll nach: "In Linz gibt es viel Polizei/und trotzdem bin ich allein". Herrlich. Bernd Mand
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Stuttgarter Zeitung Mai 2008 Katastrophensehnsucht
Gustav in der Schorndorfer Manufaktur Die Jungs von Tocotronic und Kettcar sollen ruhig zu vorgestrigem Rock von ¸¸Kapitulation" schwadronieren. Aus Wien kommt jetzt das gar nicht coole, sondern engagierte und abgründige Gegenprogramm zur neuen Waschlappigkeit im deutschsprachigen Indie-Mainstream. Gustav heißt das Trio, das am Mittwochabend in Schorndorf noch ein Geheimtipp zu sein scheint, wo andernorts schon in Elogen von Popstar-Potenzial gemunkelt wird. Gustav ist aber nur auf Tour eine Band. Gustav - hinter diesem Künstlernamen verbirgt sich die in Wien lebende Medienkritikerin, Polit-Aktivistin und Multiinstrumentalistin Eva Jantschisch, die 2005 für ihr umwerfend listiges Debütalbum ¸¸Rettet die Wale" gleich mit dem Amadeus Award ausgezeichnet wurde. Die Lieder ihres gerade erschienenen zweiten Albums ¸¸Verlass die Stadt" erzählen von Architekturkritik und Apokalypse, von unbezahlter Reproduktionsarbeit von Frauen und Medien-Zynismus. Es sind unmissverständliche, böse, pointierte Texte von hoher Qualität, die an Georg Kreisler oder Bertolt Brecht erinnern, während Gustav sie in Elektro-Beats, metallische Robert-Fripp-Gitarren-Sounds oder zuckersüße Schlagermelodien bettet und auf der Bühne kraftvoll und überlegt inszeniert, dass alle Niedlichkeiten des Alphamädchen-Feminismus vom Tisch gewischt werden. Die künstlerische Strategie, dem Publikum das linksradikal-feministische Gift als Praline getarnt zu verabreichen, ist nicht neu; an solche Rollenspiele mit Identitäten erinnert man sich noch von den frühen Talking Heads, von Gang of Four und den Au Pairs, aber Gustav scheint das erfrischende Spiel mit der Subversion wieder wagen zu wollen, wenn sie zu traditioneller Blasmusik gesteht: ¸¸Ich habe eine Sehnsucht nach der nächsten Katastrophe, denn wenn wir gemeinsam leiden, fällt dieses Unbehagen ab." Das Lied trägt übrigens den Titel: ¸¸Alles renkt sich wieder ein". ukr
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features & reviews / print / RETTET DIE WALE
 
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features & reviews / htmlized :
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repellentzine 2005 I would like to imagine that Gustav, who is actually called Eve Jentschitsh, wears fancy skirts, big fanciful frumps of billowy fabric and almost garish colors, but I’m sure she does not. She sings in little stomps and twirls for hooks in German and English over twee electro pop toy symphonies and can charm with her quirks
“We Shall Overcome” tugs the heart to more furious beating and reasonably demands a course to action. Gustav’s sweetness, the almost awkward phrasing and almost cute arrangements, warms more than sets fire, allowing the pop to pleasantly amuse and endear. In fact, the songs auf Deutsche encroach upon the lineage laid by Dietrich and Lotte Lenya performing Kurt Weil’s torchy plays of cabaret. “Genua” harkens to the sultry toughness of those ladies’ fragility but trades the biergarten arrangements for lush synthesizer and string backdrops.
Da, am MonopOl” steps up with driving clicks of snare and propelling bass stabs and punkish keyboard lines. Gustav threatens to run amok in a very German electro way, but can’t help remaining the goofy girl she is. The song seems almost a fit of fury in comparison to the standardy “Rettet die Wale”. On the tittle track, Gustav swings into romantic strings and piano and, in her darling big fancy romping skirts way, croons herself into the heart’s cracks.
Gustav, with or without the skirts, proves that pop needn’t be built or tarted up. Its delights can be made by many other means.
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boomkat 2005 You know we like to keep our ears to the ground, so when we got word from our Berlin-based operatives that this album from the unfeasibly intriguing Gustav was starting to spread uncontrollably through to every cool record shop and listener across the country (literally, the place is absolutely buzzing with talk about this album, she had two shows in berlin on consecutive nights last week alone attended by pretty much every cool record label and promoter you could imagine, now starting to get airplay on the country’s most influential radio stations) - we decided to check it out for ourselves. Gustav is the debut release from Eva Jantschitsch, a sort of alpine-electronic hybrid that sounds like a crackling log-cabin variation to Bjork’s icy charms. She writes songs on her laptop, plays along on her trusted accordion and sings with the sort of inimitable fragility you cannot muster up any resistance to. With an origin in Austria, her songs are sung in various languages, sometimes English, sometimes French, sometimes German – but the appeal is completely universal. This is an intimate, ambitious, hugely personal album that will no doubt start spreading like wildfire over to these shores before too long, a magnificent debut that you should snap up immediately, just in time for the first spring blossoms. Gorgeous music.
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pitchfork / trackreview 2005 Only 26-year-old Austrian art-school girls treat listeners with goofy Rugrats synthlines, just to sucker punch them a minute later with politically-charged, "We Are the World"-style sing-alongs. Gustav, aka Eva Jantschitsch, may exhibit the playfulness of a Nickelodeon character, but she's pissed off and pushing a CNN-caliber agenda. Apparently Bible-thumping right-wingers have coopted the Civil Rights battle hymn "We Shall Overcome", and Gustav's sounding off about it with her own 21st century rendition, complete with reworked lyrics. In the end though, her version's not about winning one back for the liberals: it's about quirky back-and-forth synth calls, dopey synth-bass, "We don't sweat, we shit perfume" or whatever she's actually saying. Activism's great and all, but for now I just want to find speakers sweet enough to pump this ditty full blast.
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ensuite 2005 Eigentlich ist Gustavs Musik furchtbar, stimmt mich melancholisch und macht mich mürbe. Brabbeln find ich das. Denn sind wir ehrlich; irgendwie ist das Cover ja auch komplett schräg mit diesem Wal im Herzen des Heidilandes. Sorry, eine kurze Gustav Kritik für das Berner Kulturmagazin Ensuite möchte ich lieber nicht machen.
Schräg find ich aber spannend, hör mir die CD doch an. Gustav, die Multiinstrumentalistin aus Wien sticht, sobald sie singt in mein Herz still und tief, dass mir die Tränen kommen! Ihrer Zerbrechlichkeit der Stimme nicht genug, sie scheint den innersten Nerv berührt zu haben. Die Österreicherin Eva Jantschitsch ist wohl des Landes interessantester Kulturexport und dafür muss ich mich bei ihr bedanken! Soviel Brisanz, Qualität und politische clevere Subversivität ist kaum ertragbar. Oder eben doch, sie ist vielen aus dem revolutionären Kuchen ein gutes Stück voraus, macht Mut da weiter zu gehen, wo sich die eigenen Träume zur Errettung der Wale im Heidiland schon tief begraben haben.
Gustavs Musik ist gar nicht so übel, sie ist wohl genau so subversiv wie ihre Texte. Feingliedrig, punktiert eingesetzt und erschütternd, gräbt sie sich tief in die Seele. Der Schrei, der sich nicht entfalten darf. Danke Gustav, du bringst die Träume zurück.
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pitchfork / artistprofile 2005 Drawing parallels to Johnny Cash's "A Boy Named Sue", Austrian-based Eva Jantschitsch aka Gustav explains the reasoning behind her moniker: "My father always wanted a boy," she says. "I'm the third and last result of his attempt, so he used to call me 'Gustav,' at least till I was three years old."
On Rettet Die Wale, papa's nickname in tote, the 26-year-old fine arts student turns anarchist praxis into ebullient synth rock. But before you stop reading, unlike most post-Le Tigre flunkies, whether rhyming along to Hakim Bey, humming against patriarchy, or memorializing Carlo Guliani (killed at the 2001 G8 conference in Italy), her approach is both non-reactionary and subtly humorous. In fact, wrapped in a satisfying digital orchestra, her sunny, heavily accented voice often cracks as if she can't help smiling, welled up with the true belief that we can ultimately make a so-called "better world." "Let's keep it blurred and kitschy," she jokes.
What about crystalline and catchy? The torchy Douglas Sirk-style title track, sung in German, synthesizes the album's themes, acting as a dramatic finale laying out a path toward non-consumptive living. "Save the whales, overthrow the system, recycle your garbage cause to much rubbish is not nice," she translates. "Feed pigeons in the park, let your kids have their opinion or abort them earlier and so on." In "We Shall Overcome", dithering pulses, bucolic flute, poppy buzzes, and grassy swells of distortion scamper en masse into a movingly optimistic re-appropriation of the Civil Rights' chant-a-long, a catchy stab at Diesel Jeans' so-called "Action" campaign, plastic-punk consumerism, and-- of course-- the sketchy hubris of American politicos.
But even without the benefit of her astutely playful lyrics, backdrop dollops of deep, catchy percussion, high/airy synth/key notes, curtain-call strings, and occasional guitar and live drums would be compelling. But instead of listing contemporary IDM musicians as influences, she cites Brian Eno, Talking Heads, Robert Wyatt, Nina Simone, Tom Waits, Daniel Johnston, and Laurie Anderson (esp. on Big Science) as musical kindred spirits. She's been compared more than once to Björk, though her mind is obviously elsewhere: "If I were a band, I think I would love to sound like the Arcade Fire or Wire on Read and Burn."
Broadminded goals for sure, but Jantschitsch's aesthetic is more reminiscent of fellow citizen, Viennese polymath Fritz Ostermayer, who released Kitsch Concrete on the Austrian Mego label two years ago. The album mixed the sweet vibe of a Polynesian-themed swingers clubs, Procol Harum, and an overriding notion of "Angst In My Pants" to create out-of-tune cabaret. And while this seems to be of an entirely different conceptual realm than someone who excitedly discusses revolution, feminist networks and the importance of Indymedia, it turns out the two sung together in a choir and have some live shows later together this month: "I think Fritz is a dirty old bastard (in a positive way)," she says. "Lyrically he's more obsessed by sex, violence...He's not searching for songs but for fragments of songs. I guess that is similar to my music: My aim is not to create a pop song. The pop song incidentally happens-- or not."
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pitchfork / albumreview 2005 With bubbly one-name international acts like Annie and M.I.A. dropping killer LPs in recent months, the current female pop landscape's been enjoying the diversity of a Captain Planet episode. Which is why, when I first threw on Gustav's Rettet Die Wale after only hearing perky single "We Shall Overcome", I was expecting another foreign enchantress delivering sugary melodies in broken English over genre-bending beats. Boy, was I wrong. For one, Gustav, aka Eva Jantschitsch, is closer to a one-woman Ms. John Soda than a global pop diva, and some fiddling on Freetranslation.com reveals the album title's politically charged message, "Save the Whales", as a sign of activism to come.
However, Jantschitsch is way too intricate and arcane to simply rant about environmentalism and human rights for 40-plus minutes. Just as lush strings and woodwinds clash with synthetic IDM on the album, Jantschitsch's quirky intonation creates a perplexing dynamic between the vocals and gravely suggestive song titles. Take the title track, for example, where Jantschitsch croons the title mantra in German over strings borrowed from a Sinatra session. In addition to rescuing Shamu, we're also urged to fuck the system and get laid, a meta take on popular liberalism. Similarly, on the tragic "One Hand Mona", the portentous line "she lost her left arm and married Karl" is sung with a quiver and a smirk, as if Jantschitsch's on the verge of cracking up at her star-crossed protagonist.
The sonics on Rettet Die Wale, however, are far less veiled. The brainy Jantschitsch taps an extensive range of musical sources ranging from Eno to Björk to Civil Rights songs, grounding all of them in cut-and-dry laptop pop. She's perfectly content to disassemble a straightforward pop song and stretch its melody and chord progression over several more bars than necessary, isolating each individual constituent from the conglomerate. As a result, the slow-tempo numbers here require considerable patience; the six-plus minute "Little Weird Grrrl" doesn't burst from its rigid seems until the final 60 seconds, and a shrill organ in the Gothic "Mein Bruder" chillingly resonates for the song's duration, filling the listener with either absolute terror or ennui.
This inconspicuous backdrop pushes the vocals uncomfortably to the sonic foreground. Unlike the breathy lap-pop vocals of groups like the Notwist and Lali Puna, Jantschitsch's protrude in the mix, drawing attention to every lyric or inflective tick. "Da, Am Monopøl" and "We Shall Overcome", with their intricately proactive arrangements, are two notable exceptions, but the majority of the album leaves us to grapple with cryptic lyrics, which gloss over the tedious music beneath. Fortunately Jantschitsch's bookish, She's All That charisma is enough to maintain interest, and while you may have no clue what she's saying, you'll somehow come away more cultured in the end.
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geiger 2005 Selvom man umiddelbart kunne tro, at der var tale om en mand, dækker projektnavnet Gustav rent faktisk over billedkunstneren Eva Jantschitsch, som tidligere har været medlem af Songs of Suspects og nu for første gang træder frem med et decideret soloalbum. Og hvor hendes tidligere gruppe spillede en luftig, billedskabende musik, der kun lå et lille stenkast fra egentlig electrofolk, nærmer Rettet die Wale sig snarere en moderne, eklektisk technopop-form. Hvis man vil, kan man denne gang kalde hende en tysk udgave af Björk. Mere tilknappet og mindre flagrende end islændingen, jovist, men lige så poetisk og fantasifuld. Og ikke så lidt mere bidsk! Faktisk er Rettet die Wale en regulær protestplade, der både tackler køns- og verdenspolitiske emner på en myriade af sprog – fra tysk og engelsk til fransk og italiensk. Dog primært de to førstnævnte.
Meget sigende hedder pladens første egentlige nummer ”We Shall Overcome” og er et indigneret opråb mod markedskræfternes verdensomspændende tyranni. ”We shall overcome one day / And beat their monitoring arms / And spray graffitis on their walls / To let then know that we’re no longer their obedient toys / Deep in my heart, I do believe / That we can defeat / This miss that we’ve bought / So far”, lyder det i et klart ekko af den kendte amerikanske protestsang af samme navn. Og nummeret er bestemt ikke en enlig svale. ”Genua” er en solidarisk hyldest til den NGO-aktivist, der blev dræbt af Berlusconis tropper under topmødet i netop denne by, mens ”Mein Bruder” indirekte er en kommentar til Irak-krigen – vel egentlig det absurde i at føre krig i det hele taget. Og både ”Little Weird Grrrl” og ”One Hand Mona” er kvindebilleder, der kan få det til at løbe koldt ned af nakken på én. Førstnævnte er nærmest et brev til en 10-årig pige om ikke at give op uanset hvor meget sexistisk lort, hun kommer til at opleve i løbet af livet. Ellers risikerer hun f.eks. netop at ende som ”One Hand Mona”: En handicappet ex-kunstner, der er blevet så forbitret over den trivielle husmoder-tilværelse, hendes liv er blevet reduceret til, at hendes eneste fornøjelse er at sende invaliderende brevbomber til sagesløse mænd!
GustavDisse lyriske håndgranater pakker Jantschitsch, der personligt trakterer alt fra laptop over guitar og klaver til fløjte og violin, så ind i for det meste temmelig iørefaldende arrangementer, der måske for det meste kombinerer hakkende og cirkulerende elektronik med finurlige sangstrukturer og mere folkede undertoner. Til tider ret ligefremt som på ”We Shall Overcome”, der, med sine ekstatiske, samplede fløjter, netop har noget nær en slagsangs opløftende energi. Til tider mere famlende, men også dragende, som i ”One Hand Mona”, der starter lavmælt ud med subsonisk bas og diskret ringlen for at rejse sig i en truende vælde. Til tider fragmenteret og eksperimenterende som i ”Mein Bruder”, der reciteres hen over en række mørke, cirkulerende lag. Men for at det ikke skal være løgn, er titelnummeret en ren opvisning i nostalgisk, sentimental orkestermusik á la Disney. Vel at mærke som en vidende, selvironisk kommentar til teksten, der både fremstår som håbløst naiv og særdeles oprigtig: ”Rettet die Wale / Und stürzt das System / Und trennt euren Müll / Denn viel Mist ist nicht schön (…) / Und nehmt euch an den Händen / Und macht Liebe jeden Tag / Und rettet die Wale!“
Gustavs førstefødte er således en plade, der både musikalsk og ideologisk vover at drømme – og som kender så meget til den grå, trætte og trøstesløse virkelighed, at den hellere vil risikere at fremstå som blåøjet end tjene de forkerte kræfter. Verden har brug for flere albums af den type, så køb det – og red så de hvaler!
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Hans Plesch für ZORES auf Radio Z, 2005 Bah, wie fies ! Schon der Titel mufft nach Gutmenschentum: Gustav! Rettet die Wale!!! Und mit stumpfen Geklöppel hebt die alte Hymne an – „We shall overcome“. Aber da sind wir schon in der alltäglichen Nahkampfzone zwischen Widerspruch und sich Einfügen in die Annehmlichkeiten des realen Turbokapitalismus, als da wären: alles zwischen schwarzen Kondome und kugelsicheren Einraumwohnungen...Strategie, Horatio! - oder Kumpanen, Mitbürger, Besetzer und bewaffnete Freunde. Wir werden widerstehen, oder zumindest den Versuch wagen, gewappnet mit schrägem Humor, mit beiden Beinen fest im Schlamassel wie der Orca im Bergsee. Ja, eigentlich wollen auch wir dieses Leben manchmal und in Teilen zurückgeben, aber der Schalter ist längst geschlossen oder outgesourct, ersetzt durch ein Callcenter im Wendekreis des Steinbocks. Manchmal ist es aber auch nur ein Song, den wir vom wütigen Patriotismus zurückhaben wollen, wie „We shall overcome“. Also tauchen wir ein in Gustavs Welt, ganz allein in Linz mit Polizei und sind damit gut beraten. Gustav ist Eva Jantschitsch und ihre Serenade an das Nachtleben schliesst Wels, Wien, Passau, Berlin, womöglich auch Nürnberg und Genua ein. Fassen wir kurz zusammen: die Notwendigkeit einer Revolution festzustellen, ohne in Romantik oder Aktionismus zu verfallen. Den prekären Alltag flexibler GrossstädterInnen zu benennen, ohne die damit auch verbundenen Annehmlichkeiten aussen vor zu lassen. Kommt dann noch was Euphorisches, so lautet der unhörbare Refrain: „denn was uns weh tut muss man töten das sehen selbst die Opfer ein“. Aber das ist dann schon ein anderes Lied.
„Rettet die Wale“ ist bei mosz erschienen, einem österreichischen Label aus dem Radian-Umfeld. Leute wie Christian Fennesz, Werner Dafeldecker und metalycée haben hier veröffentlicht. Eva Jantschitsch sah sich in ihrem früheren musikalischen Leben als singendes Aushängeschild einer Jungsband vereinnahmt und so ist ihr alter ego „Gustav“ auch ein Schritt der Emanzipation.
Inhaltlich und mit seinen reichen musikalischen Mitteln weist „Rettet die Wale“ aber überhaupt in eine ganz andere Richtung. Es ist eine mögliche Rettung elektronischer Musik vor dem Autismus, vor purer Selbstreferentialität und Materialfetischismus.
Es ist schon stark elektronisch dominierte Musik, aber Eva „Gustav“ Jantschisch spielt dazu allerlei Folterinstrumente der Jugendzeit wie Geige, Flöte, Akkordeon, dazu Strom-Gitarren, Xylophone, Klavier, Synths, Effektgeräte. Sie singt und besorgt die Programmierung. Sie hat die Texte geschrieben, in englisch, deutsch, italienisch, französisch, komponiert und arrangiert und natürlich gelegentlich jemanden zur Mitarbeit herangezogen. Letztlich aber ist die im Wohnzimmer produzierende„Ich-AG“ wieder einmal im Spass des Künstlerin-Seins aufgehoben, sozusagen transzendiert und zu sich selbst gebracht als Notwendigkeit. „Gustav“ sieht das Prekäre dieses Selbstentwurfs vermutlich schärfer als ich, der Rezensent.
Humor ist ja die Höflichkeit der Verzweiflung, die Haltung eines Menschen, der eben keine Bomben bauen und verschicken mag. Das Projekt „Gustav“ ist Rettung der Welt in verbreiteter Ohnmacht durch Musik auf Höhe der Zeit oder ein erneuter ziemlich guter Versuch, den Verhältnissen ihre Melodie vorzuspielen, unter Berücksichtigung der Deutschquote nebenbei und fallweise im Walzertakt und unter Akzeptanz des Items Songstruktur. Wir lassens uns eingehen, durch Zersetzung zerstreuen bei der Mülltrennung mit semigutem Gewissen. Das wohlhabendere Drittel hat seinen Dauerauftrag für Greenpeace eingerichtet, hört aber lieber Grönemeyer oder das Esborn Svensson Trio. Die anderen gehen zum Klezmerfest. Wer Breakbeats mag, hört schon fast nicht mehr hin und wer Konkret liest, hört keine Musik (ausser Bruckner). In unseren Träumen freilich retten wir sie manchmal noch, die Wale, die Welt – oder doch die Bergseen vor den Orcas? Wann war je gallig-engagierter Witz in letzter Zeit so schön verpackt in aktueller Musik wie bei Jantschisch? Wann bekam mensch zuletzt unangenehme Einsichten so hinterfotzig wie eingängig zu Gehör wie bei Gustav? Warum ist ziemlich unverhüllter Agitprop seitens einer österreichischen Musikerin so wenig peinlich? Warum muss es Mia und Zweiraumwohnung geben, wo es doch Gustav gibt? – Nein, dass nehme ich zurück. Es ist sinnlos, MusikerInnen und Bands gegeneinander auszuspielen. Aber es schade, dass Gustav ihren nächsten Auftritt in Frankfurt hat (23.4., Kunstverein) und nicht hierorts. Vielleicht lässt wenigstens das sich ändern: Musikverein, übernehmen Sie! Und: „Rettet die Wale und stürzt das System“ und geht wenigstens gegen den nächsten Naziaufmarsch demonstrieren ! Und trennt den Müll trotzdem. Ich liebe diese CD!
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etherreal 2005 Actualité riche en cette fin d'année pour le label viennois avec deux albums coup sur coup. D'abord le fabuleux disque de Metalycée dont nous venons de parler, et puis aujourd'hui Gustav, un nom trompeur pour ce qui s'avère être une sorte de croisement entre Heidi et Björk. Si Rettet die Wale est le premier album de cette jeune femme, il se trouve que l'on a déjà pu l'entendre au sein de Songs of Suspects que l'on découvrait il y a un an et demi sur un autre label viennois : Karate Joe.
Le premier contact, avec cette pochette au photo-montage un peu kitsch évoquant les Alpes autrichiennes, nous laisse d'abord un peu perplexe. On se demande ce que l'on va entendre et on s'attend à un ton assez différent des précédentes sorties du label. Et c'est bel et bien le cas puisque Eva Jantschitsch oeuvre dans un registre franchement (et fraîchement) pop. Une pop bucolique, sautillante, que l'on imagine en guise d'accompagnement d'une bande de joyeux lurons gambadant dans les prairies autrichiennes sur We Shall Overcome : rythmique sautillante, basse ronde imposant un tempo saccadé, sonorités de vieux claviers bon marché, c'est frais, léger, et plutôt efficace. Si la comparaison avec Björk nous semble flagrante sur les premiers mots, notamment sur des intonations un peu appuyées, elle s'en détache par la suite, avec quelques chansons un peu plus graves ou tristes (Little Weird Grrrl), assez régulièrement construites selon une lente montée avec final rock, mais frôlant aussi la douce complainte avec le magnifique Genua, chanté à la fois en allemand, français, italien et espagnol sur fond de violoncelle.
La deuxième moitié de l'album est d'ailleurs un peu plus posée, mais aussi musicalement plus intéressante. Sur One Hand Mona par exemple la voix se rapproche d'un spoken word qui, rapproché d'une musique minimale nous rappelle Laurie Anderson, et se sort même à merveille de cette comparaison. Une recherche sur le son, un joli travail sur le tempo, un bonheur qui se prolonge pendant plus de 9 minutes et se termine par une sorte de fanfare. Parti pris également plus expérimental sur le tout aussi réussi Mein Bruder et sa basse rythmique syncopée, sa voix passée au vocoder évoquant un message radio, spoken word politique, lente montée de tension, et on pense ici à Barbara Morgenstern.
L'éclectisme de la dame est à son comble sur les deux derniers titres, avec un Da, Am Monop01 très pop-rock, et un morceau titre faisant penser à une musique de film romantique, mièvre, avec chant de cabaret.
Un album très plaisant, fort surprenant de par la variété des genres, mais d'une qualité indéniable. Devrait plaire aux amateurs du label Angelika Köhlermann s'ils ne sont pas contre une production un peu plus soignée.
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plattentest 2005 Ist eigentlich mal jemandem aufgefallen, daß man in letzter Zeit nur noch über Dinge lachen kann, die eigentlich gar nicht lustig sind? Politik, Fernsehen, Leben? Eben das ganze Paket. Überall nur noch Quatsch und Wahnsinn und Verrückte. Man kann ja gar nicht mehr anders. Aber ob Eva Jantschitsch das alles genauso sieht? Die junge Frau aus Österreich, die seit 2002 im Gustav-Kostüm steckt und jetzt mal endlich acht Songs und ein Intro fertig gemacht hat? Tja, weiß auch nicht. Aber ihr Album, das paßt mal drauf. Also aufgepaßt, bitte. "Dear fellow citizens."
"Rettet die Wale" ist erfreulicherweise eine dieser Platten, über die man sich Gedanken machen muß. Die einen herausfordert und in die Seite piekst mit ihren tausend kleinen Sachen. Und sowieso nie mal irgendwas sicher sein läßt. Pop ist sie natürlich und zum Lachen, aber dann auch wieder ganz schön abstrakt, quergedacht und gar nicht komisch. Oder doch andersrum. "We shall overcome" jedenfalls ist Auftakt und Hymne mit Laienchor, und hat seine ersten Gehversuche trotzdem auf einer Festplatte gemacht. Gustav singt in Englisch, klingt nach großen Augen, die schuldlos hundeblicken und beißt sich mit dem eigenen Track. Weil man dazu früher vielleicht auch Protestsong gesagt hätte.
Aber so bleibt das halt nicht. "Linzserenade" könnte zum ersten Mal den Verdacht auf den Tisch bringen, daß die uns auch ein bißchen verarschen will. Und dabei ist es eigentlich nur ein kleines, trauriges Lied übers Alleinsein, das man in Linz am besten mit den ungezählten Polizisten teilt, die durch alle Gasse patrouillieren. Einen kitzlig-linkschen Charme hat das plötzlich, wenn Gustav auf Deutsch singt. Und dann kann man natürlich auch für die arme Mona, die ihren linken Arm verloren hat, mal ein Neuneinhalb-Minuten-Monument aus den Tonspuren zaubern. So was wie ein Beat schüttelt sachte den Kopf, die Geigen zicken und Gustav weiß ja eh wo's langgeht. "It's a common way of life / Losing one arm / And becoming someone's wife." Nicht zu glauben. Aber zu hören. Anhand der Kostproben auf der Gustav-Homepage. Oder vor allem durch das ganze Album, das man leider nicht im Laden findet, sondern nur hier.
Es sind nämlich nicht nur der zwanglose Humor und die listig komponierten Songs, die dieser Platte ihre eigene Richtung geben. Sondern vor allem die lebendigen Kleinigkeiten. Das kaum mehr zurechnungsfähige Bläsergedudel irgendwo hinten in "Little weird grrrl". Und das Klavier in "Da, am Monop01". Das bringt einen viel eher zum Lachen, als der allerbeste Witz. Weil es irgendwie genauso daneben wie das Leben ist. Aber Gustav hat trotzdem noch einen. Er heißt wie diese Platte, wird von Rhodes-Piano und Heimatfilm-Streichern erzählt und ist natürlich eigentlich wieder gar keiner. Mehr können wir da leider nicht verraten. Das, mein Freund, mußt Du Dir schon selbst zusammenreimen.
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liabilitywebzine 2005 Eva Jantschitsch (Metrosau, Motorsau And Songs Of Suspects) possède un petit quelque chose par rapport aux autres. Ce petit quelque chose qui vous fait basculer dans un infini bonheur. Ce premier disque solo de la dame est, en effet, un petit joyau d’électro-pop qui se consomme comme une petite sucrerie fondant lentement dans la bouche. Il y a comme une sorte de naïveté quand on écoute ce disque, comme si E.Jantschitsch était une petite fille qui découvrirait le monde, les yeux écarquillés et émerveillés. Cependant elle a bien les pieds sur terre. Il n’y a qu’à se pencher sur les paroles pour s’en rendre compte. Nous avons bien à faire avec une adulte. Une adulte qui oscille ostensiblement entre une Björk qui aurait laissé tombé ses gros sabots et ses concepts ronflants et une Emiliana Torrini en grande forme. Une adulte qui n’hésite pas à prendre quelques positions sur le plan politique et il faut bien dire qu’en Autriche il y a de quoi faire. La jeune Eva s’interroge, s’inquiète, espère, pose son regard candide avec poésie sur le monde qui l’entoure. On aurait presque envie de la protéger, de la rassurer mais elle n’en a sans doute pas vraiment besoin.
Ce qui donne son charme à cet album ce n’est pas seulement cette voix enfantine et mutine mais c’est aussi une approche pop où l’intelligence rime avec la beauté à l’état pur. « Rettet Die Wale » est un disque lumineux à tous points de vue. A.Jantschitsch est de ces artistes qui savent prendre des risques en mettant leur personnalité, pour le moins introverti ici, sur le devant de la scène. Ces risques on les devine, on en a déjà parlé et en ce sens l’autrichienne veut nous interpeller. Certes l’emballage est joli mais il a un double sens. Un peu à l’image de la pochette. On pourrait croire que l’Autriche n’est que ce pays bucolique, connu pour ses valses de Vienne et où il ne se passe pas grand chose. Tout ne tourne pas toujours rond, comme cet orque qui baigne dans les lacs autrichiens ou ce drapeau qui se consume dans le calme alpin. Mais tout le monde semble trouver cela normal comme ces enfants qui ne sont le moins du monde gênés par la présence incongrue du mammifère marin. Tout le monde ou presque puisque quelques personnes comme E.Jantschitsch s’élèvent contre cet apathie qui se généralise peu à peu dans son pays. Ce ton un peu léger derrière lequel se cache un regard critique assez rude est donc bien approprié à la situation. Un disque d’une grande classe.
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intro 2005 Bei Eva Jantschisch alias Gustav wird melancholische Niedlichkeit zur subversiven Strategie. Wer die junge Künstlerin aus Wien schon mal live hinter ihrem scheinbar infantilen Gerätepark gesehen hat, hat sich von ihrem ironisch schüchternen Lächeln vermutlich genauso in die Irre führen lassen, wie dieses Debüt-Album vordergründig auf die falsche Fährte lockt. Eva singt und flüstert zu ihrem elektronischen Songwriting mit sehr schöner, genau an den richtigen Stellen brüchiger Stimme in ungewohnt stolpernden, fast jazzigen Phrasierungen über ambientiges und trotzdem poppiges Geklöppel und intoniert ihre lieblichen deutsch-englischen Gesangslinien mit einer Attitüde, die man gerne als mädchenhafte Naivität bezeichnen würde. Sollte man ruhig, denn so kommen die gar nicht soften Texte noch überraschender durch die Hintertür rein und hauen den HörerInnen ordentlich aufs Ohr. Im Titelstück ›Rettet Die Wale‹ singt Frau Gustav zart »Rettet die Wale / und stürzt das System«, um sich später zum herrlich unerschrockenen Ratschlag zu steigern: »lasst den Kindern ihre Meinung / oder treibt sie früher ab«. Politik, ob die ganz große oder die private, wird in Tracks wie ›We Shall Overcome‹ oder ›Little Weird Grrrl‹ zuhauf – subtil oder beißend plakativ – verhandelt. Die Liste der von Eva in ihrem Wohnzimmer eingespielten Instrumente ist beeindruckend lang und divers, und man kann sich irgendwie vorstellen, dass sich in diesem Wohnzimmer auch Jim O’Rourke oder Dani Siciliano zu Hause fühlen würden.
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noripcord 2005 This début album is no. 005 in the Mosz catalogue - a new Austrian label founded in 2003 to be 'located at the borderline between analogue and digital concepts in music' - and it's all that an indie should be: edgy, abrasive, a bit careless, a bit rough at the edges, but with a fragile heart and a questing soul and a keen spirit that's forged, Blake-like, in some fiercely passionate blast-furnace of indignant wrath - bring on that chariot of fire, indeed! - manifest in a nine-track album that jumps at you like a besotted puppy and defies you not to be utterly seduced by its wayward winsome puppiness.
I've mentioned before a rather cool tendency amongst singer-songwriters to being modest with their real names: Badly Drawn Boy, The Album Leaf, Gravenhurst, Lali Puna, to name but a dozen. Gustav, similarly, is not the square-shouldered son of a Viennese butcher that you might imagine, but rather a floppy-maned fräulein from Graz called Eva Jantschitsch, a one-woman band seemingly capable of playing anything that makes a noise. She's also (sensible girl) plugged into a local network of willing and talented collaborators whom she can call on when living-room mixing gets lonely, and - last but far from least - she has a wicked way with words and the vocal wherewithal to deliver them - a disarmingly frail voice with an affecting quiver in it that has hidden reserves capable of punching holes in concrete.
Sung half in German and half in English, this is a cabaret collection for the twenty-noughts. It's a restless, keep-up-or-die album. At times, in songs like little weird grrrl and da, am monopØl, the music becomes quite joyously abandoned to kick-ass buzzrock, all flailing arms and legs, whereas at others, such as in mein bruder, it bespeaks a sort of portentous psychosis - the twitchy articulation of hearing things that go bump in the night. I get the distinct whiff of Brecht-Weillian cigar smoke coiling in the background - the pervasive irony, right now, of looking back to that determination to keep on singing in defiance at the looming deathhead rictus of fascism. A nod, too, I think, at Wolf Biermann. Yes - (hush) - political and proud. A bit of an absence of that in the music world lately. Begrüßen Sie, Kamerad! But it's a politics not so much polemical as allusory, so that, for instance, an exquisitely beautiful love song - Genua - unfolds like the fragilest spindrift from the unlikeliest of materials - a post-G4-summit-demo tryst beneath a pier by the lake - into a tender revolutionary ballad that even manages to reference Paris '68 - remember 'Sous les pavés, la plage'? - in a neat trick of poetics: 'lass uns strand finden/unter dem pflaster der revolution' ('let's find a beach/beneath the plaster of revolution').
Several of these songs - little weird grrrl, one hand mona, mein bruder - are vignettes from either a feverishly baroque imagination or a life lived slightly at an angle - probably both: they're at once amusing, entertaining, compelling, ironic, and rather scary. Life as a ride on the ghost-train. And the title-song (in this case the finale, which makes sense once you begin to understand what Gustav is about) is just a list of simple recommendations for a better life - 'rettet die wale und stürtz das system...macht liebe jeden tag...' ('save the whale and trash the system... make love every day...') sung straight over a lilting palm court orchestra that's playing a rather pleasant foxtrot with no electronics embellishment whatsoever: as the spotlight finally irises out one's left with the eidetic image of a tiny figure front and centre beneath the enormous gilded plaster proscenium arch of some flaky dance hall that's seen better days (I get the Blackpool Tower Ballroom out of season but each to her own).
A kind of bastard child of Björk and Billy Bragg, Gustav is exactly the kind of musician that's going to be needed over the next four years - impassioned, uncompromising, intelligent, and honest, with a backpack full of rocks and bandages - someone to hold your hand as you prepare to plunge into this dreadful dark tunnel and divert you, at least for the moment, with comforting gothic intimations of solidarity.
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eveloper 2005 Seit einiger Zeit geistert der Name Gustav durch die österreichische Musikszene, und vor kurzem erschien auf dem Mosz-Label die Debüt-CD der jungen Grazerin. Eva Jantschitschs Eltern hatten sich als drittes Kind eigentlich einen Sohn gewünscht, und so nannten sie ihre jüngste Tochter manchmal Gustav. Dieser Name wurde zum Pseudonym der Multimediakünstlerin und dient ihr auch als Statement zur Überwindung der Geschlechterrollen in der Musikbranche. (Was auch immer das heißen mag ...)
Jantschitsch ließ bisher mit ihren Formationen Metrosau, Motorsau und Songs of Suspects aufhorchen. Von letzteren erschien auch ein Album auf dem Label Karate Joe. Evas persönliche Musikexperimente in ihrem Wohnzimmer führten zur Gründung von Gustav, einem Projekt, das ausschließlich elektronisch dominiert wird, wenn auch so unterschiedliche akustische Instrumente zum Einsatz kommen wie Akkordeon, Xylophon, Klavier oder Flöten.
Textlich bewegt sich das Album zwischen Politik, Umweltbewußtsein und einer Prise Feminismus. Der anachronistische Titel der Platte läßt auch schon ahnen, daß Jantschitsch ihre Messages mit einer gehörigen Portion Augenzwinkern und Ironie serviert. "Rettet die Wale und stürzt das System und trennt Euren Müll, denn viel Mist ist nicht schön. Bittet selten um Verzeihung und füttert Tauben im Park, und laßt den Kindern ihre Meinung oder treibt sie früher ab", singt Gustav beispielsweise im Titelsong des Albums.
Musikalisch ist die Platte dort am stärksten, wo viel experimentiert wird und klassische Song-Strukturen niedergerissen werden. So gehört das hypnotisch-subtile "Mein Bruder" zu den Highlights der CD, während Songs wie "Da am Monopol" in ihrer naiven Achtziger-Ästhetik eher an sympathisch-dilettantische Künstler wie Andreas Dorau erinneren. Auch das neuneinhalb Minuten lange "One Hand Mona" ist ein Beispiel dafür, wie sich Gustav von beiläufigen Popsongs abgrenzen kann, ohne in allzu aufgesetzt wirkende avantgardistische Spielereien zu verfallen.
Eva Jantschitschs Stimme ist fragil, aber kräftig. Oftmals erinnert ihr Gesang an Björk, von der man sich ein solides Elektronikalbum schon lange wünschen würde. Stattdessen hat man jetzt Gustav, und die füllt diese Lücke mit Bravour. Live ist sie übrigens am 26. November im Wiener rhiz zu bewundern.
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tonspion 2005 Es sind viele und verschiedene Disziplinen, in denen das Gustav-Debüt glänzt. So reiht sich hier schlicht schöner Strompop an spröde Wohnzimmerskizze, liedhafter Aufruhr an anmutig orchestriertes Manifest. "Rettet Die Wale" pluckert, treibt voran, entwickelt sich behutsam, reißt mit und deutet an. Der Aufruf im Albumtitel ist dabei schon und auch ernst zu nehmen: Gustav hat etwas zu sagen und stellt wiederholt und mit Nachdruck Handlungsbedarf fest.
Geschickt und klug in der Wahl ihrer Mittel umschifft eva jantschitsch dabei viele Plattheiten und plumpe Eindeutigkeit. Zwischen zerschnittenen Streichern, Klangeffekten und Slogans weiß sie zu relativieren, ohne zu verwässern. Eigensinnig und subversiv verschachtelt sie Freude und Ernsthaftigkeit, schafft mit "Rettet die Wale" ein stets nüchternes, stets drängendes, stets romantisches Album. Und obendrein, sagen wir es ruhig noch einmal, ist das alles sehr hübscher Elektropop – gefüllt mit feinen Ideen, spannenden Melodien, schönstem Gesang und betörenden Brüchen. (sc)
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taz 2005 Und noch 'ne Harke für die deutschsprachige Popmusik, die ja gar nicht nur in Deutschland gemacht wird. Auch wenn man nach Österreich hört, kann man seine Entdeckungen machen: mit Gustav hat man da eine verwirrende Angelegenheit - die irgendwie versöhnliche Idee, dass die Welt so eine nette Spieldosenmelodie sei, oder wenigstens der Pop, für den gleich die Wale gerettet werden müssen ("Rettet die Wale" ist der Albumtitel). Was man ja schon unterschreiben will und was halt auch der monströse röhrende Hirsch der Bekennerschreibenliteratur ist, und dann werden wie nebenbei so Sätze gesungen wie "In Linz gibt es viel Polizei, und trotzdem bin ich allein", und in Genua soll der Strand unter dem Pflasterstein gesucht werden, und das zu einem somnambul durchs Zimmer tanzenden Elektropop. Halt eine verwirrende Angelegenheit.
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skug 2005 Gustav ist Eva Jantschitsch und sie sorgt mit »Rettet die Wale« für einen der interessantesten heimischen Releases des heurigen Jahres: Die Mischung aus Electronics und Minimalpop gefällt, da sind auch mal Flöten zu hören. Gustavs Stimme ist nicht so brüchig wie Björk, ist aber von der Substanz durchaus mit dieser vergleichbar.
Das Stück »Linzerserenade« verdichtet sich in der Zeile »In Linz gibt es viel Polizei« und das darauffolgende »Genua« setzt sich auf poetisch-kämpferische Weise mit den dortigen Protesten von Globalisierungsgegnern auseinander. Die Revolution hat eben erst begonnen, es scheint als würde der Protestsong von Gustav in eine hörenswerte zeitgemäße Form gebracht werden.
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die presse 6_2005 Störgeräusch im Reich der Klingeltöne
Wie "Gustav", Österreichs beste Popsängerin, im Radiokulturhaus ein Käuflichkeitsdefizit zeigte.
Aus dem Regen an den Pool. Von der Baustelle an den Strand. Vom Herd an den Tisch. Das stellt uns das Lotto, in der besten Plakatserie Österreichs, in Aussicht. Die Verheißungen des Pop sind noch konkreter: Wer sich heute nur das billige Joghurt leisten kann, wird morgen dem Supermarkt sein Gesicht verkaufen, teuer, ja natürlich. Wer heute von der Telefongesellschaft dem Inkassobüro vorgeführt wird, wird ihr morgen sein Lied als Klingelton um viel Geld überlassen. Wer heute bei der Bank um Stundung betteln muss, wird morgen für sie werben, als role model, jung, frei und single.
Protestsongs sind heute - zumindest in der gemäßigten Zone des gemeinsamen Weltmarkts - keine Schreie nach Freiheit mehr. Eher Variationen des Satzes "Ich bin nicht käuflich". Die Crux dabei: Das muss man sich leisten können; ein Alexander von Schönburg tut sich leichter mit dem stilvollen Verarmen als ein Namenloser.
Eva Jantschitsch, Künstlername "Gustav", hat derzeit erhöhte Chancen, stilvoll reich zu werden: Ihr Album "Rettet die Wale" wurde vielfach (auch in diesem Blatt) als Geniestreich gelobt, bei der "Amadeus"-Gala erhielt sie den "FM4-Preis". Ihr Auftritt bei dieser kabarettreifen Show der österreichischen Musikindustrie wirkte trotz "Tocotronic"-Zitat ("Aber hier leben, nein danke!") verlegen und unscharf, was manche kritisierten: Hätte sie sich nicht deutlicher, bestimmter äußern können?
Nun im Radiokulturhaus, bei einem ihrer raren Konzerte, äußerte sie sich auch verlegen, aber deutlich: erzählte, wie eine Telefonfirma sie einst als "nicht bonitätswürdig" (weil bei einer anderen Telefonfirma als zahlungssäumig auffällig geworden) abgewiesen habe . . . Eine kleine, feine Anekdote aus dem Land der Klingeltöne, aber doch nicht gerade passend, wenn genau diese Firma als Sponsor des Abends auftritt?
Ja, so rücksichtsvoll denkt man in Zeiten, in denen auch die Kulturförderung immer mehr Privatsache wird. Dass Jantschitsch die Rücksicht verweigerte, ist keine Heldentat, aber doch ein Zeichen: Ganz käuflich sind wir noch nicht, ein bisschen Stolz behalten wir uns. "Herr Filialleiter, ach bitte sagen Sie mir, wie lange noch verträgt man hier die Ideale zum Schafott?", hatte sie davor gesungen, in ihrem wunderbaren Welt-als-Supermarkt-Song "Da, am Monopol".
Programmatisch begonnen hatte es mit dem Endlied der "Dreigroschenoper": "Ist das nötige Geld vorhanden, ist das Ende meistens gut." Es folgten Songs aus "Rettet die Wale", bis zur Zärtlichkeit subtile Ermutigungen, gerade nicht zu sparsam arrangiert, u. a. mit dem feinsinnig tobenden Oliver Stotz an der Gitarre; einige recht mädchenhafte Miniaturen, ein neues Stück, das das New-Wave-Thema "I am just a concept" variiert, wieder in Richtung Käuflichkeit. Mit Spielsalonklängen und Störgeräuschen, soviel Programmmusik darf sein.
Ihre kongeniale Variation über "We Shall Overcome" hob sich Gustav für später auf: für den nächtlichen Auftritt im Rhiz, bei Ostermayers "The Very Pleasure", einem rührenden Old-Man-Blues-Programm, als Stargast neben Wirt Herbie Molin und Schorsch Kamerun, derzeit Regisseur bei den Wiener Festwochen, der einst mit den "Goldenen Zitronen" angeboten hatte: "Ich mach' euch den Berufsjugendlichen oder auch den Kasper oder auch den außerordentlich kontroversen Spielverderber." Gustav hat noch keine Lust, sich zu entscheiden.
Mitschnitt im Radio: FM4, Sa., 4. 6., 24 h
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laut 2005 "Rettet die Wale und stürzt das System. Und trennt euren Müll, denn viel Mist ist nicht schön. Vergeudet eure Jugend und sagt nicht Neger und nicht Tschusch. Und seid ihr eures Lebens müde legt Hand an euch und macht Schluss. Bittet selten um Verzeihung und füttert Tauben im Park. Und lasst den Kindern ihre Meinung oder treibt sie früher ab. Und nehmt euch an den Händen und macht Liebe jeden Tag und rettet die Wale!"
Diese klugen, teils zynisch-wertvollen Textzeilen stammen aus dem Song "Rettet die Wale" des gleichnamigen Debütalbums von Gustav. Hinter diesem Namen verbirgt sich, nein, kein Mann, sondern eine bewundernswerte Frau namens Eva Jantschisch, der man schon nach dem ersten Hören sofort um den Hals fallen möchte. Gustav vereint in ihrer Musik eine ganz persönliche Botschaft, die zunächst ein wenig kitschig wirkt, nicht zuletzt auf Grund des Covers und Albumtitels. Hinter der zarten, zerbrechlichen Stimme verbirgt sich aber auch die wahre Revolte. Gustav nimmt die gesamte Gesellschaft und die damit verbundenen politischen und sozialen Zusammenhänge in die Mangel. Mit einer scheinbar naiven Denkweise, die selbstbewusster und kritischer nicht sein kann.
Eva Jantschitsch kommt aus Österreich und wächst in einer musikalischen Familie auf. Ihre Schwestern spielen Klavier. Eva entscheidet sich leider für die Geige, obwohl ihr die Harfe mehr am Herzen liegt. Das Streichinstrument macht ihr schwer zu schaffen. Es dauert zu lange, bis der richtige Ton erklingt. Ihre Rache gegenüber hört man später auf ihrem Debütalbum, wo sie einfach den Computer die Geige spielen lässt.
Ihre weiteren musikalischen Erfahrungen sammelt sie zunächst als Keyboarderin und Sängerin in den Formationen Metrosau und Motorsau. Sie studiert visuelle Kunst und beschäftigt sich viel mit Performance, Webprojekten und der Videokunst. 2002 konzentriert sie sich auf ihre Soloarbeit und möchte nicht länger nur die Tasten des Keyboards bedienen und das Bild Frau in Elektronik = Sängerin weiter verkörpern. Nein, sie will ihr eigener Laptop-Pilot sein. Learning By Doing heißt also die Devise und zunächst macht sie sich deshalb mit Audiosoftware vertraut. Darüber hinaus lernt sie nette Menschen kennen, die ein Studio besitzen und ihr mit Wissen und Equipment stets behilflich sind.
Sie verarbeitet ernste Themen mit einer guten Portion Humor und lässt neben den Worten die Musik für sich alleine sprechen. Dabei jongliert sie mit verschiedenen Sprachen, ob in deutsch, englisch oder französisch. Bei ihr herrscht keine Popsong-Regel. Neben den treffsicheren Aussagen ist sie auch für die Musik verantwortlich. Die satirische Lyrik verpackt sie mit Elektronik-Samples, experimentellen Akustiksounds und lebendigen Poparrangements. Sie spielt verschiedene Instrumente ein, komponiert, produziert und gestaltet auch das Artwork. Doch vor allem protestiert sie; mal zynisch-sauer, dann wieder traurig-süß.
Seit 2001 schreibt sie ihre Texte. Die Themen finden sich in dieser Zeit ohne Probleme. Da stürzt das World Trade Center ein oder der G8 Gipfel in Seattle findet statt - ein gefundenes Fressen für den kreativen Gustav-Kopf. Natürlich stoßen derartige Parolen, die oft plumper und direkter nicht sein können, bei einigen Moralaposteln auf taube Ohren. Dass sich hinter dem Songwriting auch noch eine Frau verbirgt, ist diesen Nörglern ein weiterer Dorn im Auge. Aber sollen sie sich nur aufregen und an ihren schlechten Verdauungssäften ersticken. Das Little Weird Grrrl wird sich davon kaum beeinflussen lassen und ihre Mission erfolgreich fortführen. Ihre Fangemeinde hat sie dabei auf jeden Fall auf ihrer Seite.
Das Debüt "Rettet die Wale" ist kein Fetenknaller. Im Gegenteil, die Melodien legen sich sanft um die Gehörgänge und laut ihrer Komponistin steigen sie mehr in den Kopf, als in die Beine. Acht wunderbare Entspannungslieder und die Dame hat noch einige Stücke mehr auf Lager. Die will sie aber noch nicht auf ihrem Erstlingswerk veröffentlichen, da der Produktionsaufwand doch erheblich größer ist und sie lieber alles gerne alleine macht.
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